PRAXIS
Warum der Rollentausch die beste Prüffrage im Ethikunterricht ist
Die schnellste Art, eine Begründung zu prüfen, ist ihre Umkehrung. Wer sagt, ein heimlich aufgenommenes Video dürfe weitergeleitet werden, weil es lustig sei, wird durch eine einzige Frage weitergebracht: Gilt das auch, wenn du selbst darauf zu sehen bist? Der Rollentausch ersetzt keine Theorie, macht aber Inkonsistenzen sichtbar, ohne dass jemand belehrt werden muss.
Für die Realschule ist das besonders geeignet, weil es ohne Fachvokabular funktioniert und trotzdem auf eine philosophische Prüfung hinausläuft – nämlich auf die Frage der Verallgemeinerbarkeit. Wenn Lernende diese Probe mehrfach angewendet haben, lässt sich der kategorische Imperativ später als Formulierung eines bereits vertrauten Gedankens einführen statt als abstrakte Regel.
Eine Grenze ist im Fach besonders wichtig: Ethikunterricht berührt Persönliches. Erfahrungen mit Familie, Glaube, Krankheit oder Konflikten gehören nicht in eine Eingabe, weder als Fallbeispiel noch als Textgrundlage. Für die Rückmeldung genügt der argumentative Teil einer Arbeit; alles Weitere gehört ins Gespräch mit der Lehrkraft.