Vier Schritte, zwölf Fächer, unterschiedliche Kriterien
Die Versuchung bei KI im Lehrberuf ist, mit dem spektakulärsten Anwendungsfall zu beginnen. In der Praxis trägt der unspektakulärste am weitesten: das differenzierte Arbeitsblatt für die nächste Stunde. Es kostet regelmäßig Zeit, es fällt jede Woche an, und das Ergebnis ist sofort überprüfbar.
Der zweite Schritt, die Begleitung im Unterricht, verändert die Rolle am stärksten. Wenn Lernende bei einer Verständnisfrage nicht warten müssen, bis die Lehrkraft an ihrem Tisch ankommt, verschiebt sich deren Zeit dorthin, wo sie wirklich gebraucht wird. Voraussetzung ist ein Tutor, der mit einer Rückfrage beginnt statt mit der Lösung – sonst entsteht genau die Abhängigkeit, die man vermeiden will.
Feedback und Korrektur sind der Bereich, in dem sich die Fächer am deutlichsten unterscheiden. Ein englischer Essay verlangt eine Trennung von sprachlicher Richtigkeit und inhaltlicher Leistung; wer beides vermischt, benachteiligt Lernende mit schwacher Orthografie und starker Argumentation. Ein Physikprotokoll wird über den nachvollziehbaren Weg bewertet, nicht über das gerundete Endergebnis. Eine Quellenanalyse in Geschichte steht und fällt mit der Frage, ob die Perspektive des Verfassers erkannt wurde.
Deshalb ist dieser Bereich nach Arbeitsschritt und Fach zugleich gegliedert. Jede der 48 Seiten beschreibt einen Schritt in einem Fach mit den Kriterien, die dort gelten – und benennt die Stellen, an denen die Lehrkraft die Entscheidung behalten muss. Die Bewertung einer Leistung bleibt in jedem Fall eine Aufgabe der Lehrkraft; KI liefert die Vorarbeit und die Begründungshilfe, nicht die Note.