PRAXIS
Warum „Gleichung nicht ausgeglichen“ kein Feedback ist
Der Hinweis, eine Reaktionsgleichung sei nicht ausgeglichen, beschreibt ein Symptom. Er sagt nicht, ob die Formel eines Produkts falsch aufgestellt wurde, ob die Erhaltung der Atomanzahl nicht verstanden ist oder ob schlicht ein Koeffizient vergessen wurde.
Der Korrektur-Agent unterscheidet diese Fälle, weil sie unterschiedliche Konsequenzen haben. Eine falsche Produktformel ist ein Modellfehler und verlangt eine Rückkehr zur Teilchenebene; ein vergessener Koeffizient ist eine Flüchtigkeit und braucht nur einen kurzen Prüfhinweis. Nur die erste Rückmeldung verändert das Verständnis.
Dasselbe gilt für Auswertungen: Wer aus Messwerten sofort auf eine Stoffmenge schließt, ohne die Beobachtung zu sichern, überspringt einen Schritt. Der Feedback-Agent verlangt dann zuerst die gesicherte Messreihe. Aussagen zu Gefahrstoffen, Konzentrationen und Entsorgung werden markiert und bleiben in der Verantwortung der Lehrkraft.
Beispiel Titration
Auswertung ohne gesicherte Messreihe
Ein Ergebnis wird aus einem einzelnen Verbrauchswert berechnet. Die Rückmeldung verlangt zuerst die Mittelwertbildung der Messreihe und danach erst die Stoffmengenrechnung.
Beispiel Fachsprache
Alltagssprache in eine Fachaussage überführen
Aus „es hat gesprudelt“ wird über eine gezielte Rückfrage die Beobachtung „es entsteht ein Gas“ und daraus die Deutung mit Bezug auf die Reaktionsgleichung.