PRAXIS
Folgefehler: die häufigste Ursache verzerrter Befunde
Wer 3/4 + 2/3 zu 5/7 addiert, hat genau eine Fehlvorstellung: Zähler und Nenner werden getrennt addiert. Alles, was danach folgt, ist eine korrekte Konsequenz aus einem falschen Zwischenergebnis. Eine Korrektur, die jede betroffene Zeile einzeln als Fehler zählt, erzeugt ein Bild von tiefer Unsicherheit, wo tatsächlich ein einzelner Begriff fehlt.
Deshalb ist die entscheidende Leistung einer Korrekturhilfe nicht die Menge markierter Stellen, sondern die Lokalisierung des ersten nicht tragfähigen Schritts. Erst diese Zuordnung erlaubt die pädagogisch relevante Unterscheidung zwischen Konzeptfehler, fehlerhafter Ausführung und formaler Unsauberkeit – und damit die Entscheidung, ob eine Sicherung im Unterricht nötig ist.
Zwei Einschränkungen bleiben. Erstens werden handschriftliche Brüche, Wurzeln und Skizzen nicht zuverlässig erkannt; bei unleserlichen Stellen ist eine Rückfrage verlässlicher als eine plausible Zuordnung. Zweitens ist die Bewertung selbst kein technischer Vorgang: Punktzahl, Kulanz bei Folgefehlern und die Konsequenz für die Note bleiben Entscheidung der Lehrkraft.
Beispiel Bruchrechnung
Ein Begriff, viele Zeilen
3/4 + 2/3 = 5/7 – der Befund lautet „Zähler und Nenner getrennt addiert“, nicht „durchgehend fehlerhaft gerechnet“.
Beispiel Textaufgabe
Modell richtig, Einheit falsch
Wer die Situation korrekt modelliert und am Ende Minuten mit Stunden mischt, braucht eine Einheitenübung, keine neue Modellierung.