PRAXIS
Warum „ohne Zurücklegen“ alles verändert
In einer Urne mit drei roten und zwei blauen Kugeln beträgt die Wahrscheinlichkeit für Rot beim ersten Zug drei Fünftel. Beim zweiten Zug hängt sie davon ab, was vorher passiert ist – sofern nicht zurückgelegt wird. Genau diese Abhängigkeit wird in Aufgaben häufig übersehen, weil das Baumdiagramm dann in der zweiten Stufe andere Zahlen tragen muss als in der ersten.
Deshalb gehört die Frage nach dem Zurücklegen an den Anfang jeder Bearbeitung, noch vor das Zeichnen. Sie entscheidet nicht nur über die Zahlen, sondern auch darüber, ob die Ereignisse unabhängig sind. Unabhängigkeit darf nie unterstellt werden, nur weil es die Rechnung vereinfacht – in Prüfungen ist genau das eine typische Falle.
Bei Aufgaben mit „mindestens einmal“ lohnt fast immer der Umweg über das Gegenereignis. Statt alle günstigen Pfade zu addieren, wird die Wahrscheinlichkeit für „kein einziges Mal“ berechnet und von eins abgezogen. Das ist kürzer, weniger fehleranfällig und funktioniert unabhängig von der Zahl der Stufen.